SAP Energy Data Management

EU-weite Harmonisierung des Gassektors stellt neue Anforderungen an IT-gestützte Geschäftsprozesse


Die Energiepolitik der Europäischen Union verfolgt das Ziel eines EU-weiten, einheitlichen Gasmarktes. Durch die angestrebte Liberalisierung und Harmonisierung der Einzelmärkte nimmt einerseits der Wettbewerbsdruck zu, da einst national tätige Unternehmen nun auch im Ausland aktiv werden. Andererseits steigt unter den Gasunternehmen der Handlungsbedarf, um die europäischen Regulierungsanforderungen auf IT-Ebene umzusetzen. Gerade in Osteuropa besteht eine hohe Nachfrage nach effizienten Lösungen, um Geschäftsprozesse regelkonform und marktrollenspezifisch im jeweiligen SAP-System umzusetzen.

Deutschland nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein. Ein Beispiel dafür ist das Grundmodell für Ausgleichsleistungen und Bilanzierungsregeln im Gassektor (GABi Gas 2.0). In vielen europäischen Ländern sind Marktrollen wie Netzbetreiber, Transportnetzbetreiber oder Lieferant bereits definiert, aber es herrscht ein hoher Anpassungsbedarf zum Beispiel an den Netzkodex des Verbands Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSOG). Hinzu kommen gestiegene Qualitätsansprüche an Datenaustauschprozesse zwischen den zahlreichen Marktpartnern, die die Anforderungen an das SAP Energy Data Management (SAP EDM) weiter erhöhen. Gefragt sind daher flexible Lösungen zur regelkonformen Umsetzung von Geschäftsprozessen ins SAP EDM, die die spezifischen Marktrollen der Unternehmen im Gassektor berücksichtigen. Solche Lösungen müssen einerseits die Versorgung sichern und andererseits den Unternehmen eine transparente Kostenkontrolle und hohe Datenqualität ermöglichen.

Zukunftsfähiges Allokationsmanagement
So benötigen Netzbetreiber in einigen Ländern regulatorisch geforderte Funktionalitäten im Bereich der Standardlastprofilberechnung, um den temperaturabhängigen Tagesverbrauch von nicht lastganggemessenen Endkunden zu ermitteln. Hierzu werden neben den Koeffizienten für unterschiedliche Kundengruppen Kalenderinformationen und Temperaturdaten benötigt, die für die fachgerechte Kalkulation des Verbrauchs automatisiert beim Wetterdienstleister heruntergeladen und ins SAP EDM übertragen werden.

Besonders deutlich werden die gestiegenen Anforderungen durch die EU-Vorschrift, den Gasverbrauch nicht mehr nach Kubikmetern, sondern mittels technischer Mengenermittlung (TME) anhand des Brennwerts von Kubikmeter in kW/h umzurechnen. Dies stellt viele Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Da an einem Netzkoppelpunkt mehrere vorgelagerte Netze mit unterschiedlichen Brennwerten anliegen können (Mehrseiteneinspeisung), muss der Netzbetreiber die empfangenen Daten umrechnen. Hierfür benötigt er ein umfassendes Brennwertmanagement. Abgesehen vom Datenimport und der Brennwertermittlung, muss ein Brennwertmanagement auch Fortschreibungsprozesse für Abrechnungs- und Referenzbrennwerte beinhalten. Von Vorteil ist zudem die Möglichkeit, die Kompressibilität mittels einer vollständigen Gasstoffmengenanalyse zu berechnen, insofern dies die technischen Einrichtungen des Netzbetreibers zulassen. Auf diese Weise kann eine Umrechnung des Betriebsvolumens des Gases in das Normvolumen erfolgen und anschließend die Energiemenge automatisiert ermittelt werden. Eine Berechnung der Zustandszahl ist für nachgelagerte Prozesse ebenfalls notwendig.

Darstellung der Gasnetztopologie
Für den Transportnetzbetreiber (TSO) ist hingegen die Darstellung der real vorhandenen Netzkopplungspunkte wie etwa Übergabestationen zwischen zwei Netzen oder Ein- und Ausspeisepunkte an Gasspeichern wichtig, um die Gasversorgung möglichst effizient planen zu können. Sie benötigen hierfür ein umfassendes Kapazitäts- und Nominierungsmanagement, das dem TSO die Darstellung der aktuellen Netzsituation ermöglicht. Hierzu müssen Informationen über die Kapazitätssituationen an den einzelnen Netzkopplungspunkten, wie etwa die jeweilige technisch maximale sowie pro Transportkunde gebuchte Kapazität, zur Verfügung stehen.

Der Schwerpunkt des Gaslieferanten ist die gesicherte Versorgung seiner vertraglich gebundenen Endkunden. Hierzu müssen die benötigten Energiemengen pro Marktgebiet am virtuellen Handelspunkt nominiert werden. Um hierbei qualitativ hochwertige Daten zu gewährleisten, ist die Prognose des zu erwartenden Gasverbrauchs ebenso wie die Validierung der seitens Marktpartner empfangenen Zeitreihen essentiell.


Monitoring der Bilanzierungsprozesse
Um diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden, hat die PROLOGA GmbH die Lösung „SAP EDM, add-on for gas regulatory compliance“ speziell für Unternehmen im Gassektor entwickelt. Es stellt eine Erweiterung des SAP IS-U dar und bildet die Funktionen des Allokations-, Nominierungs-, Kapazitäts- oder auch Bilanzkreismanagements unter anderem über intuitive Funktionen ab. Mit der Lösung erhalten Energieversorger zudem umfangreiche Monitoringfunktionalitäten zur Analyse der Stammdatenqualität. Für Netzbetreiber ermöglicht das Bilanzkreiscockpit unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Fristen und Grenzen die Durchführung eines Clearings, das auf dem Versand von Vortageswerten oder der Neuberechnung der betroffenen Bilanzkreise beruht. Zudem sind innerhalb des Bilanzkreiscockpits die Erstellung und der Versand einer Deklarationsliste an den Marktpartner über die üblichen Datenformate möglich.

Für Bilanzkreisverantwortliche bietet die Lösung einen Bilanzkreismonitor, der die empfangenen Bilanzierungsergebnisse in graphischer und hierarchischer Form darstellt. Eingehende Nachrichten zum Bilanzkreisstatus werden per IMBNOT verarbeitet. Darüber hinaus sind viele weitere gasspezifische Marktkommunikationsformate wie CAPNOT, CAPRES, DELORD, DELRES, NOMINT, NOMRES, TRANOT oder SSQNOT integriert.

Das SAP EDM, add-on for gas regulatory compliance by PROLOGA, sorgt durch die vollständige Integration im SAP IS-U für durchgängige Geschäftsprozesse und ermöglicht so Gasunternehmen die effiziente Umsetzung regulatorischer Vorgaben, um auch im liberalisierten, EU-weit harmonisierten Gasmarkt mit kundenorientierten Prozessabläufen wettbewerbsfähig zu bleiben.

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